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Predigt zum Thema: „Wozu soll das gut sein?“, 16.01.2005 Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen. Liebe Gemeinde, wie angekündigt möchte ich Sie in diesem Jahr durch die Bibel führen und anhand von bekannten und unbekannten Texten zu aktuellen und hoffentlich interessanten Themen Stellung beziehen – und so eben auch unser Jubiläumsjahr zu einem besonderen Jahr mit der Bibel machen. Letzten Sonntag haben wir uns mit der Frage, was Gott mit Naturkatastrophen zu tun hat, beschäftigt. Wir haben versucht uns deutlich zu machen, dass wir in einer Welt voller Bedrohungen leben, dass Naturkatastrophen, auch wenn wir es längst vergessen hatten, geschehen können, und dass die Frage nach dem „Warum“ uns wenig weiterführt, weil sie niemand beantworten kann. Wir haben versucht, nicht die Schuld in den Vordergrund unserer Betrachtungen zu stellen, sondern das Vertrauen. Das Vertrauen darauf, dass Gott auch in schwerer Zeit trösten und helfen kann. Und ich denke, dies ist bei allem, was uns widerfahren kann, ganz wichtig zu wissen. Für alle diejenigen, die vielleicht gerade keine Ahnung haben, worüber ich rede, habe ich noch ein paar Kopien der Predigt vom letzten Sonntag mitgebracht, denn ich kann ja schlecht die Predigt heute morgen noch einmal halten. Warum ich dies aber trotzdem noch einmal wiederhole, hat mit dem Thema der heutigen Predigt zu tun und dem Blickwinkel, den ich heute einnehmen möchte. Letztes Mal haben wir gefragt, was hat Gott damit zu tun, zum Beispiel mit einer Naturkatastrophe. Heute möchte ich einmal genau in die andere Richtung blicken und fragen: Wie kommen wir denn mit Schwerem zurecht? Wie verarbeiten wir die anstrengenden und manchmal trostlosen Erfahrungen unseres Lebens? Was geschieht in unserem Inneren, wenn wir Schweres erleben. Der Grund warum ich so frage heute, ist vielfältig. Immerhin feiern wir im Anschluss an den Deutschen Gottesdienst einen neunzigsten Geburtstag. Frau Schmidt feiert im Kreis von Familie und Freunden und Gemeindemitgliedern, und ich musste einfach daran denken, was ein Mensch nicht alles in einem so langen Leben erlebt. Ich bin sicher, Frau Schmidt könnte darüber auch ein dickes Buch schreiben oder ein ganz, ganz langes Gedicht aufsagen. Manche Leute fragen anlässlich eines solchen Geburtstages: „Was ist Ihr Rezept? Wie kommt es, dass Sie so alt geworden sind?“ – Ich denke, liebe Gemeinde, wenn Sie dies wissen wollen, müssen Sie Frau Schmidt nachher selbst fragen! Was mir durch den Kopf ging, war dies: „Egal wie alt wir werden, fragt uns doch niemand danach, was wir gerne erleben wollen, oder verspricht uns auch niemand, dass unser Leben immer nur Friede Freude, Sonnenschein ist. Und ob wir nun alt werden oder nicht, ob wir unseren neunzigsten Geburtstag feiern dürfen oder nicht, kommt es doch alles in allem darauf an, mit welcher Einstellung wir unser Leben leben. Schon sechzig Jahre können furchtbar lang sein, wenn man immer nur traurig ist oder immer nur verzweifelt oder griesgrämig. Vieles, was in unserem Leben geschieht, haben wir ja nicht im Griff oder bestimmen wir gar nicht, es ereignet sich einfach. Natürlich fragen wir uns oft: Warum? – Ich möchte heute nicht Warum, sondern Wozu fragen und einmal versuchen herauszubekommen, was uns helfen kann, auch das Schwierige anzunehmen, weil, ja weil manches auch seine guten Seiten haben kann. Am Dienstag habe ich an einem Treffen teilgenommen, wo jemand folgende Geschichte aus Indien erzählte: Da war der Fürst einer Provinz, der eines Tages hohen Besuch empfing. Als Gastgeschenk hatte der Besucher, ein Maharadscha, dem Sohn des Fürsten ein prächtiges Pferd geschenkt. Als die Leute das sahen, riefen Sie: „Was für ein wunderbares Geschenk, was für ein wunderbares Geschenk!“ Der Fürst bedankte sich bei seinem Gast, dachte aber in seinem Herzen: „Ob es gut ist, ob es schlecht ist? Wer weiß?“ – Wenig später ritt der Sohn des Fürsten auf dem Pferd aus. Im Wald scheute das Pferd und der Sohn brach sich beim folgenden Sturz das Bein. Als die Leute das erfuhren, riefen Sie: „Was für eine furchtbare Sache, was für eine furchtbare Sache!“ Der Fürst dachte bei sich: „Ob es gut ist, ob es schlecht ist? Wer weiß?“ – Schließlich brach ein Krieg aus und der König sammelte Soldaten in seinem Reich und kam zum Hof des Fürsten. Er hätte den Sohn des Fürsten und sein prächtiges Pferd gerne im Krieg eingesetzt, doch dann sah er, dass der Sohn des Fürsten ein gebrochenes Bein hatte und nicht in den Krieg ziehen konnte, worüber sich der Fürst insgeheim freute. Es ist eine lehrreiche Geschichte, die uns vor Augen führt, dass wir nicht immer absehen, warum Dinge so oder so sind. Und wahrscheinlich kennen Sie dies auch, dass wir sofort urteilen, wie die Leute in der Geschichte: Das ist gut – das ist schlecht. Aber woher wissen wir, was gut und schlecht ist? Im ersten Buch der Bibel hören wir von Josef, dem Sohn Jakobs. Es ist eine Geschichte, in der es für Josef wie auf einer Achterbahn bergauf und bergrunter geht. Wir erfahren, dass er Jakobs Lieblingssohn ist und bevorzugt wird, jedenfalls empfinden dies seine älteren Brüder so. Und diese hassen ihn mit der Zeit so sehr, insbesondere, nachdem er von seinen Träumen erzählt hat und in einer Vision sieht, wie sich andere vor ihm verneigen werden. Was die Brüder natürlich als ausgemachte Unverschämtheit empfinden und ihn umbringen wollen, ihn dann aber nach Ägypten verschachern, an eine Karawane. Sie erfinden eine Geschichte, damit ihr Vater glaubt, dass Josef tot ist, von einem Löwen gerissen, was Jakob, den Vater, natürlich tief trifft. Wäre dies eine Zeitungsmeldung, würden wir sagen: „Das gibt es doch nicht, das ist eine unglaubliche Sache, wie kann man so schlecht sein? Das ist ja furchtbar für Josef. Ist es gut, ist es schlecht, wer weiß? Denn immerhin findet Josef Arbeit bei Potifar, einem reichen Mann, der der Kämmerer des Königs und der Oberste seiner Leibwache ist. Josef arbeitet sich nach oben und wird der oberste Diener, was eine wichtige Vertrauensstellung über Hab und Gut des Potifar war. Josefs unglaublicher Aufstieg, eine Erfolgsstory! Ist es gut, ist es schlecht, wer weiß? Denn dann wird er Opfer einer üblen Verleumdung: Potifars Frau, die auf ihn ein Auge geworfen hat, bezichtigt ihn der sexuellen Nötigung, worauf er ins Gefängnis kommt. Wie furchtbar, nicht wahr? Ist es gut, ist es schlecht, wer weiß? Er deutet schließlich als einziger die Träume des Pharaos richtig, gewinnt sein Vertrauen, weil er ihn vor einem Palastmord auf diese Weise warnt. Er rettet das Leben des Pharaos und wird aus Dank und aufgrund seiner Kompetenz der zweithöchste Mann im Staat. Es kommt zu einem Happy End, wenn auch mit einigen Verwicklungen und Umwegen, bei denen schließlich Josef und seine Brüder sich gegenüber stehen. Einen Moment lang denkt Josef an Rache und jagt ihnen einen Schrecken ein, aber letztlich ist er überwältigt vor Freude, seine Familie wieder zu sehen, vor allem Jakob, der schließlich umsiedelt, nach Ägypten kommt und dort in Ruhe sterben kann, weil sich das Rätsel um den vermeintlichen Tod seines Sohnes, wie ein Wunder aufklärt. Josef sagt im Gegenüber seiner Brüder, die nach Ägypten reisen, um einer Hungersnot in Israel zu entkommen, folgenden Satz: 20Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen, um zu tun, was jetzt am Tage ist, nämlich am Leben zu erhalten ein großes Volk. (1. Mose 50, 20). Das ist mehr als erstaunlich, weil dies die ganze Geschichte auf diesen Punkt bringt: Was ihr getan habt, auch wenn es böse war und ihr was ganz anderes im Sinn hattet, hat dazu beigetragen, dass ich jetzt mein Volk vor dem Hungertod retten kann. Dies ist keine Entschuldigung für böse Taten. Nicht dass einer auf die Idee kommt, daraus den Schluss zu ziehen: „Wenn ich fleißig Böses tue, kommt schon was Gutes dabei raus!“ Das Böse bleibt Böse und wird auch hier so genannt. Die Brüder bereuen das auch aufs Tiefste und schämen sich in dieser Geschichte ihrer eigenen hinterlistigen und brutalen Tat. Sie fürchten sogar um ihr Leben, weil sie sehen, dass dies eigentlich eine verdiente Strafe gewesen wäre und Josef auch die Macht gehabt hätte, sie zu bestrafen. Was ich nur wirklich bestechend and diesem Satz finde ist, dass manches, was aus persönlicher Sicht schlimm ist, trotzdem noch von Gott zu einem guten Ende geführt werden kann. Das bedeutet, dass Gott nicht das Böse tut, sondern in seiner Macht in der Lage ist, menschliche Fehler zu korrigieren. Was heißt das angewandt auf unser Leben? Hören Sie bitte jetzt genau hin, weil die Unterscheidungen, die ich jetzt mache, sehr wichtig sind: 1. Was ich bislang sagte bedeutet nicht, dass das Schlimme, was wir erleben oder geschieht, immer Sinn macht. Das Böse ist immer sinnlos. Es sterben Menschen aufgrund von Dingen, die man nur verurteilen kann, und es fehlt manchmal an Erklärungen, warum dies so sein muss. Aber erinnern Sie sich? Die Frage heute morgen ist ja nicht, warum geschieht es, sondern wozu. Und das kann ein Hinweis darauf sein, dass trotz der Dinge, die für einen Einzelnen oder für seine Familie sinnlos sind, für andere, hier für das ganze Volk Israel, etwas Positives daraus erwachsen kann. Natürlich wäre es wünschenswert, wenn Dinge sich nicht nur ändern, nachdem etwas geschehen ist, aber wie viele gute Regelungen sind aus schlechten Erfahrungen erwachsen. Viele Gesetze haben diesen Hintergrund. 2. Manchmal sind wir auch mit den schlechten Dingen in unserem Leben trotzdem Teil eines Ganzen, was wir vielleicht gar nicht sehen oder wahrnehmen, aber wo trotzdem andere etwas Gutes daraus machen. Wenn, sagen wir, 2 Millionen Menschen an einer Krankheit leiden, dann ist das für den Einzelnen nicht gut, keine Frage, aber dann wird die bloße Tatsache, dass es so viele Kranke gibt zum Anlass genommen, zu forschen und vielleicht die Krankheit zu heilen, oder zumindest wirkungsvollere Medikamente zu entwickeln. Die Flut: Natürlich wollen wir alle nicht, dass Menschen sterben und ertrinken und ihre Kinder verlieren und dazu noch Hab und Gut. Aber wenn die Völker zusammenkommen, politische Gegensätze und religiöse Unterschiede auf einmal keine Rolle mehr spielen und Leute zusammen arbeiten, damit die Schäden beseitigt, die Leute versorgt und die Kinder betreut werden können, ist das für sich genommen positiv, ja, eine Sensation, hoffentlich ein Beispiel, wie es weitergeht auch mit anderen Hilfsmassnahmen. 3. Ich habe diese Woche mit religiösen Führern aller möglichen Religionen zusammen gesessen und wir haben uns über dies Frage unterhalten, was die Flut für Auswirkungen hat. Es ist interessant, dass wir lange darüber geredet haben, was wir lernen können, wie wir im Glauben auch an dem theologischen Problem, was uns damit vor die Füße gelegt worden ist, wachsen können. Wie oft sind wir, liebe Gemeinde, aus schwierigen Zeiten gestärkt hervorgegangen? Lebenserfahrung besteht doch gerade daraus, dass wir Dinge geschafft haben und im Nachhinein uns nur wundern, wie das alles zu schaffen war, oder wie wir da wieder raus gekommen sind oder wie es dann doch, wie durch ein Wunder weiterging. 20Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen, um zu tun, was jetzt am Tage ist, nämlich am Leben zu erhalten ein großes Volk. (1. Mose 50, 20). 4. Ich wünschte mir, dass wir auch so wie Josef reagieren könnten. Auch wenn uns Leute etwas angetan haben, uns Böses wollten, wir zwei Dinge schaffen: Zu vergeben und zu vertrauen. Das ist, was Josef tut und was mich an dieser Geschichte so fesselt. Es ist keine bittere Bilanz, die Josef hier zieht. Er hält sich nicht mit der Vergangenheit auf, er blickt in die Zukunft. Er trauert nicht um verpasste Gelegenheiten, sondern nutzt die neuen Chancen. Man könnte noch vieles dazu sagen, wie, dass man an Josef lernen kann, dass man nur frei für das Neue ist, wenn man Altes hinter sich lassen kann. Man kann nur vergeben, wenn man es doch schafft, den Menschen dahinter zu sehen und nicht nur den Bösewicht. Er sieht in den Männern, die vor ihm knien, wie in seinem Traum vorhergesagt, nicht Feinde, sondern seine Brüder. Josef gibt Gott nicht auf. Wie viele Menschen kehren Gott den Rücken, wenn ihnen Böses widerfährt? Ich denke dies liegt eben auch darin, dass Menschen meinen, dass ihr Unglück Gottes Beziehung in Frage stellt. Und dieser Eindruck entsteht, weil man nach dem Warum, aber eigentlich nicht nach dem Wozu sucht. Ich meine damit, dass es manchmal wirklich eine lange Suche sein kann, bis einem deutlich wird, wozu etwas gut war. Darauf hat man nicht immer die Antwort. Bei Josef dauert dies auch Jahrzehnte. Doch, ich möchte die Predigt nicht beenden ohne Ihnen, liebe Gemeinde, noch folgenden Gedanken auf den Weg zu geben: Auch wenn wir uns oft selbst wie der Fürst fragen: „Ist es gut, oder ist es schlecht? Wer weiß?“, es ändert nichts daran, dass Gott seine Beziehung zu uns niemals aufgibt. Wie er an Josef die ganze Zeit festgehalten hat, auch wenn ihm andere etwas antaten, so hat er sich auch für uns entschieden und gibt auch uns nicht auf. Jesus sagt einen Satz, der in starken Worten die Verhältnisse klarstellt. Ich hoffe, Sie werden sich an diesen Satz, wenn Ihr Leben schwer oder ein einziges Rätsel ist, erinnern: Er sagt (Johannes 10): 29Mein Vater…ist größer als alles, und niemand kann sie aus des Vaters Hand reißen. AMEN. Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus, unserm Herrn. Amen |
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