Martin Luther Evangelical Lutheran Church
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A bilingual Christian congregation (German and English) in the west end of Toronto.
Eine zweisprachige Evangelische Gemeinde (Deutsch und Englisch) im Westen Torontos.

Predigt
Sonntag 30. October 2005 (Reformationssonntag)

Predigt über Apostelgeschichte 19, 23.10.2005
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit uns allen. Amen.
Text:
23Es erhob sich aber um diese Zeit eine nicht geringe Unruhe über den neuen Weg. 24Denn einer mit Namen
Demetrius, ein Goldschmied, machte silberne Tempel der Diana und verschaffte denen vom Handwerk nicht
geringen Gewinn. 25Diese und die Zuarbeiter dieses Handwerks versammelte er und sprach: Liebe Männer,
ihr wißt, daß wir großen Gewinn von diesem Gewerbe haben; 26und ihr seht und hört, daß nicht allein in
Ephesus, sondern auch fast in der ganzen Provinz Asien dieser Paulus viel Volk abspenstig macht, überredet
und spricht: Was mit Händen gemacht ist, das sind keine Götter. 27Aber es droht nicht nur unser Gewerbe in
Verruf zu geraten, sondern auch der Tempel der großen Göttin Diana wird für nichts geachtet werden, und
zudem wird ihre göttliche Majestät untergehen, der doch die ganze Provinz Asien und der Weltkreis
Verehrung erweist. 28Als sie das hörten, wurden sie von Zorn erfüllt und schrien: Groß ist die Diana der
Epheser! 29Und die ganze Stadt wurde voll Getümmel; sie stürmten einmütig zum Theater und ergriffen
Gajus und Aristarch aus Mazedonien, die Gefährten des Paulus. 30Als aber Paulus unter das Volk gehen
wollte, ließen's ihm die Jünger nicht zu. 31Auch einige der Oberen der Provinz Asien, die ihm freundlich
gesinnt waren, sandten zu ihm und ermahnten ihn, sich nicht zum Theater zu begeben. 32Dort schrien die
einen dies, die andern das, und die Versammlung war in Verwirrung, und die meisten wußten nicht, warum
sie zusammengekommen waren. 33Einige aber aus der Menge unterrichteten den Alexander, den die Juden
vorschickten. Alexander aber winkte mit der Hand und wollte sich vor dem Volk verantworten. 34Als sie aber
innewurden, daß er ein Jude war, schrie alles wie aus einem Munde fast zwei Stunden lang: Groß ist die
Diana der Epheser! 35Als aber der Kanzler das Volk beruhigt hatte, sprach er: Ihr Männer von Ephesus, wo
ist ein Mensch, der nicht weiß, daß die Stadt Ephesus eine Hüterin der großen Diana ist und ihres Bildes,
das vom Himmel gefallen ist? 36Weil das nun unwidersprechlich ist, sollt ihr euch ruhig verhalten und nichts
Unbedachtes tun. 37Ihr habt diese Menschen hergeführt, die weder Tempelräuber noch Lästerer unserer
Göttin sind. 38Haben aber Demetrius und die mit ihm vom Handwerk sind einen Anspruch an jemanden, so
gibt es Gerichte und Statthalter; da laßt sie sich untereinander verklagen. 39Wollt ihr aber darüber hinaus
noch etwas, so kann man es in einer ordentlichen Versammlung entscheiden. 40Denn wir stehen in Gefahr,
wegen der heutigen Empörung verklagt zu werden, ohne daß ein Grund vorhanden ist, mit dem wir diesen
Aufruhr entschuldigen könnten. Und als er dies gesagt hatte, ließ er die Versammlung gehen.
 
Liebe Gemeinde,
Tumult in Versammlungen ist offensichtlich nichts Neues. Schon damals in Ephesus, damals noch
Küstenstadt in der heutigen Türkei ging es heiß her. Und wie bei vielen Tumulten gibt es einige, die das
große Wort führen, andere, die einfach mitschreien und wiederum solche, die nicht einmal wissen, worum es
eigentlich geht. Letztlich gelingt es dem Kanzler, wie es hier erzählt wird, schließlich die Menge zu
beschwichtigen, und die Versammlung löst sich auf und man geht nach einem emotionalen Herumgeschreie
nach Hause und wahrscheinlich in den nächsten Tagen zur Tagesordnung über. Schon im Anfang des
nächsten Kapitels, das sich direkt an diesen Text anschließt, wird nüchtern festgestellt: „Als nun das
Getümmel aufgehört hatte…“ - Es mag sein, dass uns solche Szenarien aus der Gesellschaft oder Politik
oder gar aus der Kirche bekannt sind, wo es erst viel Aufregung gibt und nachher alles mehr oder weniger
ein Sturm im Wasserglas gewesen ist. Dennoch für Paulus selbst war und bleibt es unmöglich, direkt in den
Streit, der hier entbrannt ist, einzugreifen. Die Stimmung gegen ihn ist so stark, dass nicht nur seine Freunde,
sondern auch Offizielle der Stadt sagen: „Bleib lieber weg, halt dich da raus, die tun dir noch etwas an!“
29Und die ganze Stadt wurde voll Getümmel; sie stürmten einmütig zum Theater und ergriffen Gajus und
Aristarch aus Mazedonien, die Gefährten des Paulus. 30Als aber Paulus unter das Volk gehen wollte, ließen's
ihm die Jünger nicht zu. 31Auch einige der Oberen der Provinz Asien, die ihm freundlich gesinnt waren,
sandten zu ihm und ermahnten ihn, sich nicht zum Theater zu begeben.
 
Worum geht es denn nun?
 
Das ist eigentlich das Erstaunliche dieser Geschichte, dass Handwerker, Leute aus der Stadt Ephesus unter
der Anführerschaft des Goldschmiedes Demetrius um ihren Arbeitsplatz fürchten. Wenn die neue Religion
der „neue Weg“, wie es heißt von Paulus in Ephesus gepredigt wird und die Leute ihm nachlaufen, dann
wirkt sich das schlecht aufs Geschäft aus:
 
24Denn einer mit Namen Demetrius, ein Goldschmied, machte silberne Tempel der Diana und verschaffte
denen vom Handwerk nicht geringen Gewinn. 25Diese und die Zuarbeiter dieses Handwerks versammelte er
und sprach: Liebe Männer, ihr wißt, daß wir großen Gewinn von diesem Gewerbe haben; 26und ihr seht und
hört, daß nicht allein in Ephesus, sondern auch fast in der ganzen Provinz Asien dieser Paulus viel Volk
abspenstig macht, überredet und spricht: Was mit Händen gemacht ist, das sind keine Götter. 27Aber es
droht nicht nur unser Gewerbe in Verruf zu geraten, sondern auch der Tempel der großen Göttin Diana wird
für nichts geachtet werden, und zudem wird ihre göttliche Majestät untergehen, der doch die ganze Provinz
Asien und der Weltkreis Verehrung erweist.
 
Im Klartext heißt das: Wir Goldschmiede werden weniger verdienen, unser Gewerbe gerät in Verruf und
unsere Religion geht unter. Dazu muss man wissen, dass Ephesus zu dem Zeitpunkt das Handelszentrum des
Vorderen Orients war. Es beherbergte eine der größten Bibliotheken der Antike mit 15.000 Buchrollen. Es
hatte die größte Arena mit Platz für 25.000 Menschen, die sich mit Vorliebe Kämpfe zwischen Gladiatoren
und wilden Tieren anschauten. Und eines der sieben Weltwunder der Antike, der Tempel der Göttin Artemis,
stand auch noch in Ephesus. Und um den dreht sich das Ganze, weil in ihm das weltberühmte Bildnis der
Göttin stand und viele Kunsthandwerker mit der Verschönerung der Anlage beschäftigt waren. Diese
Männer beherrschten ein Handwerk, das große Kunstfertigkeit verlangte und gut bezahlt wurde. Von daher
lässt sich vielleicht nachvollziehen, dass Demetrius und andere, die am Tempel in Diensten waren, so aus
dem Häuschen sind: Wenn diese neue Lehre des Paulus Schule macht, werden wir arbeitslos, sagen sie.
 
Ich finde das ganze einen erstaunlichen Vorgang, weil er uns wie viele Geschichten der Apostelgeschichte
darauf aufmerksam macht, wie viel Einfluss der christliche Glaube auf das Leben von Menschen gehabt hat,
selbst auf solche, die total dagegen waren und aus ganz weltlichen Motiven, wie Demetrius, einen Aufstand
gegen den Glauben anzetteln, auch wenn er, wie gesagt, nicht lange anhält, aber immerhin den Erfolg für
sich verbuchen kann, dass der Störenfried Paulus die Stadt verlässt.
Ich muss sagen, dass mir deswegen dieses biblische Buch, das auch nicht immer ganz akkurate Geschichte
erhält, gefällt, weil es nachzuerzählen versucht, was sich ändert, bei den Leuten und in der Gesellschaft,
wenn die christliche Botschaft um sich greift. Mich begeistert die Zustimmung von Menschen, die sich fast
augenblicklich taufen lassen, wie der Kämmerer aus Äthiopien oder die Lydia, die erste Christin aus
Mazedonien. Mich fasziniert aber auch der Widerstand gegen das Christentum, weil es davon zeugt, dass die
Botschaft in ihrer Tragweite erfasst wird und weil diese Botschaft Menschen herausfordert und aus dem
gewohnten Trott herausreißt.
 
Demetrius hat absolut Recht behalten. Außer ein paar Ruinen von diesem Weltwunder ist vom
Artemistempel nichts übrig geblieben. Es gibt keine Religion mehr, in der Manchen an Artemis glauben. Es
kam das Christentum und hat die Landkarte dieser Welt in einzigartiger Weise verändert.
Ich will nicht auf die auch im Namen Christi geschehenen negativen Veränderungen eingehen, die es
zweifellos auch leider gegeben hat, wie das Missverstehen des Christentums als Machtfaktor und die
Unterwerfung vermeintlicher Heiden mit aller Macht. Die Bekehrungen de Kreuzritter, denen man sich nicht
widersetzen konnte und die politischen Koalitionen, die der Glaube leider auch immer wieder geschlossen
hat. Das gab es leider auch alles und gibt es noch, was meiner Meinung nach, nicht per se gegen den Glauben
spricht, aber leider deutlich erkennen lässt, dass Menschen eine noch so gute Sache, wie den christlichen
Glauben in sein Gegenteil zu verkehren vermögen.
 
Ich denke, dass wir als Christen im Laufe der beiden Jahrtausende leider auch träge und unbeweglich
geworden sind. Wir haben uns daran gewöhnt, dass der Glaube eine feste Institution und das Christentum
eine anerkannte und weit verbreitete Religion ist. Wir geraten nicht mehr aus dem Häuschen, wenn einer in
Stadt kommt und den Glauben predigt. Wir gehen nicht mal hin, wo es geschieht. Jeder noch so
zweitklassige Hollywoodstar hat mehr Aufmerksamkeit, als Paulus je hatte. Für uns ist Glaube nicht, wie die
Menschen damals ein Störfaktor oder eine Befreiung oder ein Aufbruch. Glaube ist etwas Normales und
leider damit auch etwas Gewöhnliches geworden. Und das ist, finde ich, dem Glauben gar nicht angemessen.
Ich meine, wir müssen keine künstliche Begeisterung ala Petencostal inszenieren und im Gottesdienst aus
dem Häuschen geraten, aber so ein bisschen Begeisterung oder Freude oder Anstoß oder Herausforderung
für unser Leben wäre gar nicht verkehrt, finden Sie nicht?
 
Der Glaube soll uns antreiben zu etwas, er soll nicht Selbstzweck sein. Letzten Sonntag, als wir in Ottawa
beim Jubiläum der Martin Luther Kirche dort waren, hat unser Bischof Michael Pryse etwas
Bemerkenswertes gesagt. Er hat über die Hoffnung geredet und gesagt, er schenkt den Untergangsrednern
keine Beachtung, die innerhalb und außerhalb der Kirche unseren Untergang herbeireden. Denn es sei
immer noch derselbe Geist, der in Menschen wirkt, wie er damals im jungen Christentum auch geweht hat.
Wir müssen nur daran glauben. Und er hat noch etwas gesagt, dass es anders als in vielen Religionen und
auch in sehr gesetzlichen Vorstellungen des christlichen Glaubens im Luthertum nicht um ein ‚wenn-dann’
geht, wenn du Gutes tust, dann kommst Du in den Himmel, sonder es geht um ein ‚weil-deshalb’: Weil Gott
uns in Christus erlöst und gerecht gesprochen hat, deshalb können wir uns als Christen auf den weg machen
und Gutes tun.
 
Worum es geht - und ich hoffe wir lernen dies aus der Apostelgeschichte neu – ist, dass wir uns vom
Aufbruch des Glaubens in die Welt und in die Gesellschaft anstecken und mitnehmen lassen. Wir müssen
nicht traurig und verzagt und vornehm zurückhaltend sein, sondern fröhlich und gewiss und offensichtlich
unsere Sache vertreten, weil es etwas ist, was allen Menschen zugute kommt, selbst den Leuten, die eben
nicht mit uns unseren Glauben teilen und vielleicht sogar diesen Glauben, den wir haben, krass ablehnen.
Wir Christen sind gerufen, in der Welt die Liebe Gottes auszuteilen und zu Botschaftern der Hoffnung zu
werden.
 
Ich hoffe Sie wissen alle, was der Unterschied zwischen Optimismus und Hoffnung ist. Optimismus guckt
auf die Fakten und sagt: Weil ein Aufwärtstrend ablesbar ist, deshalb schauen wir zuversichtlich nach vorne.
Hoffnung ist etwas völlig anderes, denn Hoffnung kann sagen: Obwohl alles düster ist, hoffe, glaube ich
trotzdem das alles besser wird.
 
Liebe Gemeinde, wir müssen uns dies immer wieder sagen lassen. Für uns persönlich, damit wir nicht in ein
tiefes Loch fallen, nur weil das Leben es momentan vielleicht nicht gut mit uns meint. Und auch für unseren
Glauben, weil in der Art, wie wir ihn vertreten schnell sichtbar wird, ob wir wirklich glauben, was wir sagen.
Wir müssen daran glauben, dass alle, die nur an sich denken, alle, die egoistisch nur den eigenen Vorteil
suchen, alle die andere ausnutzen und alle, die nur noch Verachtung für uns haben, wie Demetrius und seine
Freunde eines Tages abdanken werden und ihren Job, den Glauben klein zu reden, nicht mehr ausüben
können. Wir brauchen uns nicht zu verstecken und wir sollen uns nicht einfach nur gemütlich einrichten,
sondern Salz der Welt bleiben, wie Jesus vorgeschlagen hat.
Und all das, weil wir wissen, dass sich unser Glaube eben nicht auf etwas aufbaut, was Menschen mit
Händen gemacht haben, sondern was Gottes Werk ist, wie es der Hebräerbrief in Kapitel 10, Vers 23 sagt:
 
Laßt uns festhalten an dem Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken; denn er ist treu, der sie verheißen
hat. - Er ist treu. Amen.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus
Christus, unserm Herrn. Amen
 

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