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Radioandacht: Unterwegs in Gottes Welt
Der Sonntagmorgen mit Pastor Alexander Mielke.
20.01.2008
Liebe Hoererinnen und Hoerer, am vergangenen Sonntag konnten wir in unserer Martin-Luther-Kirche zwei Kinder taufen, die schon aelter waren, zwei Jungen von 8 bzw. 6 Jahren. Sie sind seit einiger Zeit im Kindergottesdienst, die Eltern und ich haben mit ihnen ueber die Bedeutung der Taufe gesprochen, und so sagten sie bei dieser schoenen Feier selber: "Ja, ich moechte getauft werden."
Im Neuen Testament ist fuer das Verstaendnis der Taufe Roemer 6 grundlegend, da heisst es in Vers 4:
So sind wir ja mit Christus begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln.
Dieses Wort ist nicht einfach zu verstehen, die beiden Jungen werden eine Weile brauchen, sie werden noch viel Hilfe und Unterstuetzung brauchen, bis sie in das Verstaendnis dieses Bibelwortes hineinwachsen. Die Hauptaussage ist: Die Taufe schenkt uns neues Leben, ist ein neuer Anfang aus Gottes Gnade fuer uns. Ich werde heute in der Martin-Luther-Kirche ueber meine 6 Jahre Arbeit bei den Massai in Ostafrika berichten. Was ich dort erlebt habe, hat mir geholfen, dieses Taufwort besser zu verstehen.
Von 1993 bis '99 lebte ich mit meiner Familie in Tansania in Ostafrika, dort arbeitete ich vor allem in der Steppe bei den Massai. Die Massai sind ein beruehmtes afrikanisches Volk, Viehnomaden, grosse, schlanke, stolze Gestalten, die man oft auf Fotos aus Afrika sehen kann.
Ich durfte eine segensreiche Zeit bei den Massai erleben. Lange hatten sie sich jedem aeusseren Einfluss verweigert, aber in den letzten 20 Jahren haben sie sich geoeffnet und viele von ihnen finden zu Christus. Die Maenner unter meinen Mitarbeitern waren alles Christen der ersten Generation in unserem Gebiet, die ersten Maenner, die dort Christen wurden, bei den Frauen gab es schon eine laengere Geschichte mit der Kirche.
Und so habe ich viele taufen koennen. Normalerweise fuhr ich am Samstag und Sonntag zum Gottesdienst, der jeweils 3 Stunden und mehr dauerte. Und jedes Mal gab es mindestens 10 Taufen: sehr viele Kinder natuerlich, aber auch Jugendliche und Erwachsene. Das war kein schneller Schritt fuer die Erwachsenen: Es konnte nur getauft werden, wer wichtige Teile von Martin Luthers Katechismus und damit auch grundlegende Bibelstellen gelernt hatte. Denn er musste wissen, was es bedeutet, als Christ zu leben. Und den Katechismus-Unterricht hielt nicht ich als Pastor. Die Taufbewerber wurden von anderen Massai im Katechismus unterrichtet, abends, nach der Arbeit, am Lagerfeuer, wurden die Worte vorgesprochen und nachgesprochen und so muehsam gelernt. Oft taten das unsere Kirchenvorsteher, aber viele Christen halfen da gerne, eine Welle der Begeisterung lief durch die Steppe und erfasste viele.
Kirchliche Arbeit unter den Massai gab es seit ueber 100 Jahren, aber diese Welle der Begeisterung hatte vor einigen Jahren begonnen. Das hing auch mit einem grossen Prediger zusammen: Isaya ole Ndokote. Er war selber Massai, mehr noch, er war ein traditioneller spiritueller Fuehrer, sehr vereinfacht koennte man ihn "Medizinmann" nennen. Er lebte in einer Gegend bei Nairobi, also dem Sueden Kenyas. Aber auch aus ganz Nordtansania pilgerten viele Massai zu ihm, um von ihm Rat und Hilfe zu bekommen, frueher durch magische Praktiken. Aber ab einem bestimmten Zeitpunkt wurden sie durch ihn sehr ueberrascht. Denn er nahm ihnen kein Geld mehr fuer Magie ab. Er sagte ihnen: "Wenn ihr echte Hilfe wollt, dann betet zu Jesus! Nur wenn ihr regelmaessig zu Jesus betet, nur dann erfahrt ihr richtige und tiefgreifende Hilfe fuer euer Leben!"
Isaya hatte zum Glauben an Christus gefunden. Und seitdem reiste er durch die Massai-Gebiete. Aufgrund seiner bisherigen Autoritaet wurde er seinem Volk Prediger, Seelsorger, Richter und Versoehner. In meinem Gebiet wurde er "Vater des Ruvu" genannt.
Diese christliche Erweckung bei den Massai hing auch damit zusammen, dass einige zentrale traditionelle Autoritaeten zu Jesus fanden und dann ihr Volk zum Glauben fuehrten. Und Zeichen des Neuanfangs ist der Taufname. Bei der Taufe nehmen die Massai einen neuen Namen an. Oft sind das z.B. "John" und "Peter", Namen grosser biblischer Gestalten, deren englischer Klang freilich signalisiert, dass so ein Name auch ein Eintrittsticket in die moderne afrikanische Gesellschaft darstellt. Aber oft sind es auch neue Namen in der Massai-Sprache, wie sie mir viel besser gefallen haben:
"Naseriani" – "Gott ist mein Friede";
"Sinyati" – "heilig";
"Olamayiani" – "von Gott gesegnet".
Diese Namen machen die Botschaft von Roemer 6 deutlich: Das Alte ist vergangen, ein neues Leben hat begonnen, ein Leben, das vom Frieden Gottes getragen wird, in dem wir nach Gottes heiligem Willen fragen, in dem wir Gottes Segen erfahren, selbst auf dunklen und schweren Wegen.
Liebe Hoererinnen und Hoerer, die Erinnerung an unsere eigene Taufe bedeutet auch die Anfrage an uns: Haben wir unser Leben erneuern lassen, nehmen wir Gottes Wort an, damit wir immer wieder ein neues, anderes Leben fuehren, wie Gott es uns schenken will? Der neue Name, den die Massai bei der Taufe erhalten, macht uns diese Anfrage eindruecklich.
Sie sind sehr herzlich eingeladen zu unserem Gottesdienst in der Martin-Luther-Kirche, der heute schon um 10.00 Uhr beginnt, und wo ich anschliessend von der Arbeit in Afrika berichte, mit Dias und anderen Mitbringseln. Sie finden die Martin-Luther-Kirche in 2379 Lake Shore Blvd West, Toronto, am See im Bereich zwischen Parklawn Rd und Islington Avenue. Gleichzeitig findet wie immer Kindergottesdienst statt und ist unser Eltern-Kind-Raum geoeffnet. Auf unserer Webseite www(punkt)martinluther(punkt)ca finden Sie noch mehr Informationen.
Ich wuensche Ihnen fuer die kommende Woche Gottes Segen und Geleit,
Ihr Pastor Alexander Mielke
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